
Das niederländische Kompetenzzentrum für öffentliche Beschaffung PIANOo hat mit Partnern aus der Solarbranche den Sustainable Solar Panels Guide entwickelt, ein frei zugängliches Werkzeug zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Solarmodulen. Die Übersicht erfasst 58 Hersteller mit Daten je Modulserie und geht über den CO₂-Fußabdruck hinaus. Die EU-Einkaufsgemeinschaft Big Buyers Working Together prüft derzeit, wie öffentliche Auftraggeber europaweit damit arbeiten können.
Die Public Buyers Community der Europäischen Kommission hat den Guide am 17. August 2026 in ihrer Community of Practice zu nachhaltiger Photovoltaik vorgestellt. Entstanden ist er in den Niederlanden unter Verantwortung der Netherlands Enterprise Agency (RVO), der Durchführungsbehörde des Wirtschaftsministeriums, in Zusammenarbeit mit der niederländischen Solarindustrie. Die englischsprachige Fassung ergänzt die seit längerem bestehende niederländische Website Duurzamezonnepanelen.org. Über die Public Buyers Community als Plattform haben wir im vergangenen Jahr berichtet.
Acht Kriterien statt nur CO₂
Ausgangspunkt des Guides ist die Feststellung, dass Solarmodule nicht gleichermaßen nachhaltig sind und der CO₂-Fußabdruck allein kein vollständiges Bild liefert. Die Tabelle führt je Hersteller und Modulserie acht Merkmale auf: den CO₂-Fußabdruck der Produktionsphase in Kilogramm CO₂-Äquivalent je Kilowattpeak samt Datenquelle, die Freiheit von PFAS, Antimon und Blei, eine Rücknahmegarantie des Herstellers, die Rezyklierbarkeit anhand einer Cradle-to-Cradle-Zertifizierung, die erwartete Lebensdauer aus Leistungs- und Produktgarantie sowie das Risiko von Zwangsarbeit in der Lieferkette. Nutzer können die Tabelle nach diesen Merkmalen filtern und so prüfen, welche Module die selbst gesetzten Anforderungen erfüllen.
Zu jedem Kriterium erläutert der Guide die Bewertungsgrundlage. Beim CO₂-Fußabdruck werden, soweit vorhanden, Umweltproduktdeklarationen nach EPD Global oder Ökobilanzen herangezogen, andernfalls die Höchstwerte der vereinfachten französischen Methode ECS. Beim Zwangsarbeitsrisiko stützt sich der Guide auf Studien, unter anderem der Sheffield Hallam University, sowie auf die Listen des US-amerikanischen Uyghur Forced Labor Prevention Act. Für Hersteller, die in diesen Quellen nicht genannt werden, gilt nach der Methodik des Guides ein hohes Risiko bei chinesischer Lieferkette und ein niedriges Risiko bei nachweislich vollständig außerchinesischer Lieferkette.
Datenbasis und Grenzen
Die Angaben stammen nach Darstellung der Herausgeber aus öffentlich zugänglichen Quellen, aus Dokumentationen sowie aus Produktinformationen der Hersteller und anderer Marktteilnehmer. Wo möglich, wurden unabhängige und verifizierte Datenquellen verwendet. Der Guide versteht sich ausdrücklich nicht als verbindliche Bewertung von Produkten, Herstellern oder Marken; RVO übernimmt keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität. Der aktuelle Stand datiert vom 1. Juli 2026, für einzelne Anbieter fehlen noch Angaben zu bestimmten Indikatoren. Um diese Lücken zu schließen, will die Community of Practice gemeinsam mit der Generaldirektion GROW der Kommission eine Informationsanfrage an die betroffenen Lieferanten richten, in der die benötigten Daten und Belege benannt werden.
Für die Nutzung gilt eine Einschränkung: Der Guide ist für den eigenen Gebrauch bestimmt. Eine Vervielfältigung oder Weiterverbreitung über die eigene Verwendung hinaus bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des niederländischen Wirtschaftsministeriums, eine kommerzielle Nutzung ist ausgeschlossen.
Ergänzend zum Guide haben PIANOo und der niederländische Solarverband eine Roadmap für mehr Kreislaufwirtschaft in Solarprojekten erarbeitet. Sie beschreibt eine Fünfjahresvision für zirkuläre Photovoltaiksysteme mit Zielen, Lösungsansätzen und Handlungslinien und liegt bislang nur auf Niederländisch vor.
Einordnung für deutsche Auftraggeber
Für öffentliche Auftraggeber in Deutschland trifft der Guide auf einen Rechtsrahmen, der Nachhaltigkeitsanforderungen bei Photovoltaik inzwischen vorschreibt. Nach Art. 25 der Netto-Null-Industrie-Verordnung müssen Vergabeverfahren über Netto-Null-Technologien, zu denen Photovoltaik zählt, Nachhaltigkeits- und Resilienzanforderungen berücksichtigen. Wie die Kommission diese Pflichten in ihren Leitlinien vom September 2026 auslegt, haben wir vor wenigen Tagen dargestellt. Die Resilienzanforderungen knüpfen dort an die Lieferabhängigkeit von einem einzelnen Drittland an; der Guide liefert mit seiner Spalte zum Zwangsarbeitsrisiko und zur Herkunft der Lieferkette Anhaltspunkte, die bei der Markterkundung herangezogen werden können.
Auch die sozialen Kriterien haben einen europäischen Bezug. Die Kommission hat 2025 einen Leitfaden für sozial verantwortliche Beschaffung vorgelegt, und eine Studie für die Kommission untersucht, wie das Vergaberecht Sorgfaltspflichten in Lieferketten stützen kann. Der Guide ersetzt keine eigene Prüfung und keinen Eignungs- oder Zuschlagsnachweis im Vergabeverfahren. Er bietet Vergabestellen aber eine strukturierte Marktübersicht, um Anforderungen an Module zu formulieren und deren Erfüllbarkeit vor der Ausschreibung abzuschätzen. Weitere Beiträge zum Thema bündelt unser Tag Nachhaltige Beschaffung.
Quellen
- PIANOo develops Sustainable Solar Panels Guide, Public Buyers Community, 17. August 2026
- Sustainable Solar Panels Guide (Stand 1. Juli 2026)
- Roadmap Zonnestroomsystemen, RVO, Juni 2026 (PDF, niederländisch)
Titelbild: Bill Mead – Unsplash