Österreich will seine öffentliche Beschaffung von rund 67 Milliarden Euro pro Jahr stärker auf europäische Wertschöpfung ausrichten. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Infrastrukturminister Peter Hanke stellten dazu am 26. August 2026 den Schritt „Made in Europe“ der Industriestrategie 2035 vor. Ein Aktionsplan soll bis Ende 2026 folgen.

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Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sind von den 117 Maßnahmen der im Vorjahr beschlossenen Industriestrategie 2035 bereits mehr als 35 Prozent umgesetzt oder in Umsetzung. Mit dem nun vorgestellten Schritt sollen die jährlichen Ausgaben der öffentlichen Hand stärker dafür eingesetzt werden, dass Produktion und Arbeitsplätze in Österreich und Europa entstehen.

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer erklärte dazu:

Der Staat kauft jedes Jahr für rund 67 Milliarden Euro Produkte und Dienstleistungen ein. Dieses Geld ist ein gewaltiger Hebel für unseren Standort. Mit Made in Europe setzen wir deshalb einen weiteren konkreten Schritt unserer Industriestrategie um: Wir wollen öffentliches Geld stärker dafür nutzen, dass Wertschöpfung, Produktion und Arbeitsplätze in Österreich und Europa entstehen.

Vier Handlungsfelder

Die Ankündigung umfasst vier Bereiche:

  • Strategische öffentliche Beschaffung: Bundesunternehmen sollen sich in einer „Made in Europe Declaration“ zu einer stärker europäisch ausgerichteten Beschaffung bekennen.
  • Förderprogramme: Öffentliche Förderungen sollen europäische Produktion honorieren – etwa über einen Europa-Bonus bei Photovoltaik; ab 2027 sollen europäische Technologien in weiteren Programmen zusätzliche Punkte erhalten.
  • Bestbieterprinzip: Das Bundesvergaberecht soll vom billigsten zum besten Angebot umsteuern und dabei Lebenszykluskosten, Qualität und Innovation berücksichtigen. Beschaffungen außerhalb der EU sollen künftig begründungspflichtig sein.
  • Europäische Marktmacht: Auf EU-Ebene setzt sich die Regierung für Maßnahmen gegen Dumping und unfaire Subventionen aus Drittstaaten ein.

Nach Medienberichten wird zudem erwogen, öffentliche Aufträge des Bundes mit einem Pflichtanteil österreichischer beziehungsweise europäischer Komponenten zu verknüpfen. In der Presseaussendung der beiden Ministerien ist ein solcher Pflichtanteil nicht ausdrücklich genannt.

Studie: Preis dominiert, Volumen konzentriert sich auf staatsnahe Unternehmen

Fachliche Grundlage der Initiative ist die am 26. August in Wien vorgestellte Studie Struktur und wirtschaftspolitische Hebel der öffentlichen Beschaffung in Österreich (2023–2025) des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO. Danach konzentriert sich das Vergabevolumen stark auf staatsnahe Unternehmen: Rund die Hälfte entfällt auf jene des Bundes – angeführt von den Schieneninfrastruktur- und ÖBB-Gesellschaften –, gut ein weiteres Fünftel auf staatsnahe Unternehmen der Länder. Das erklärt, warum die „Made in Europe Declaration“ zuerst bei den Bundesunternehmen ansetzt.

Die Studie beziffert zugleich den Befund, an dem das Bestbieterprinzip ansetzen soll: Das Preiskriterium dominiert die Zuschlagsentscheidung mit einem Gewicht von durchschnittlich 76,5 Prozent bei generischen und 58,5 Prozent bei spezialisierten Gütergruppen, und im Durchschnitt geht in 40 Prozent der Verfahren nur ein einziges Angebot ein – vor allem bei Software, Medizin und Bildung. Zu den Empfehlungen zählen standardisierte Methoden für Lebenszykluskosten, eine häufigere Aufteilung von Großaufträgen in Lose sowie konstruktive, innovationsfördernde Local-Content-Klauseln – die fachliche Spur zu dem in Medienberichten erwähnten Pflichtanteil europäischer Komponenten.

Einordnung

Für die Umsetzung im Vergabeverfahren wäre in Österreich vor allem das Bundesvergabegesetz 2018 (BVergG 2018) maßgeblich, das – wie das deutsche Vergaberecht – die EU-Vergaberichtlinien umsetzt und an das unionsrechtliche Diskriminierungsverbot gebunden ist. Auf deutsche Auftraggeber hat die Ankündigung keine unmittelbaren Auswirkungen.

Sie fügt sich allerdings in eine europaweite Entwicklung ein: Die EU-Kommission arbeitet an einer Reform der Vergaberichtlinien, in deren Diskussion eine europäische Präferenz („Buy European“) eine zentrale Rolle spielen soll. Österreich kündigt mit „Made in Europe“ eine nationale Umsetzung dieser Stoßrichtung an, noch bevor der Kommissionsvorschlag vorliegt.

Quellen

Titelbild: C.Stadler/Bwag, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons