
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat den Bericht zur Vergabestatistik für das Gesamtjahr 2024 veröffentlicht. Mit 199.334 gemeldeten Vergaben und einem Auftragsvolumen von 135,2 Milliarden Euro erreichen beide Kennzahlen den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2021.
Erstellt hat den Bericht das Statistische Bundesamt im Auftrag des BMWE. Er wertet die öffentlichen Aufträge und Konzessionen mit Vertragsdatum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2024 aus, die nach der Vergabestatistikverordnung (VergStatVO) zu melden sind – für öffentliche Auftraggeber ab einem Nettoauftragswert von 25.000 Euro, für Sektorenauftraggeber und Konzessionsgeber ab den EU-Schwellenwerten. Die Zahl der registrierten Berichtsstellen stieg auf 11.524. Die zugrunde liegenden Daten sind auch über die GENESIS-Datenbank von Destatis abrufbar; eine ausführliche Auswertung der vier Berichtsjahrgänge haben wir im Mai in der Analyse Vier Jahre Vergabestatistik: Was die Zahlen aussagen vorgelegt, Grundlagen zur Meldepflicht beantwortet unser FAQ zur Vergabestatistik.
Höchstwerte bei Anzahl und Volumen
Gegenüber dem Berichtsjahr 2023 stieg die Zahl der gemeldeten Vergaben um rund 2 Prozent, das Auftragsvolumen legte um rund 10 Prozent zu – von etwa 123 auf über 135 Milliarden Euro. Den Anstieg führt der Bericht auf mehr Großaufträge mit einem Auftragswert ab 100 Millionen Euro zurück.
Bei der Verteilung nach Auftraggeberebenen bestätigt sich die pyramidenartige Struktur der Vorjahre: Rund 53 Prozent der Vergaben entfallen auf die kommunale Ebene, knapp 30 Prozent auf die Länder und gut 12 Prozent auf den Bund. Beim Auftragsvolumen kehrt sich das Bild um: Der Bund vereint mit 48,4 Milliarden Euro knapp 36 Prozent des Volumens auf sich, gefolgt von den Kommunen mit 39,3 Milliarden Euro und den Ländern mit 31,6 Milliarden Euro. Nach Auftragsarten stellen Bauaufträge mit knapp 48 Prozent die meisten Vergaben; gemessen am Volumen liegen Bauaufträge mit 47,7 Milliarden Euro vor Dienstleistungsaufträgen (44,5 Milliarden Euro) und Lieferaufträgen (43,0 Milliarden Euro). Rund 88 Prozent aller gemeldeten Vergaben lagen unterhalb der EU-Schwellenwerte.
Dr. Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, schreibt im Grußwort des Berichts:
Die öffentliche Beschaffung ist ein zentraler Motor für Investitionen, Innovation und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Ob Infrastruktur, Digitalisierung, Transformation, Sicherheit oder Daseinsvorsorge – die Handlungsfähigkeit des Staates hängt wesentlich von einer leistungsfähigen und modernen Beschaffung ab.
Der cosinex Vergabemarktplatz unterstützt Auftraggeber dabei, ihre Meldepflicht nach der VergStatVO direkt aus dem Vergabeverfahren heraus zu erfüllen.
KMU bleiben die wichtigsten Auftragnehmer
Bei 163.215 Vergaben und damit 82 Prozent aller Aufträge erhielten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) den Zuschlag – im vierten Berichtsjahr in Folge sind sie damit die wichtigsten Auftragnehmer der öffentlichen Hand. Auf sie entfiel ein Auftragsvolumen von 56,3 Milliarden Euro, knapp 46 Prozent des Gesamtvolumens. Der deutliche Zuwachs gegenüber 2023 (plus 24 Prozent bei der Anzahl) ist allerdings zum Teil methodisch bedingt: Das Statistische Bundesamt hat die Bestimmung der KMU-Eigenschaft angepasst und stuft Auftragnehmer nun auch dann als KMU ein, wenn alle eingegangenen Angebote von KMU stammten. Diese Anpassung betraf im Berichtsjahr 26.419 Vergaben.
Preis dominiert als Zuschlagskriterium
Bei den Zuschlagskriterien war der Preis erneut das mit Abstand am häufigsten gemeldete Kriterium: In rund 63 Prozent der Vergaben war er alleiniges Zuschlagskriterium, in knapp 12 Prozent wurde er mit Qualitätskriterien kombiniert. Der Bericht führt den hohen Anteil des reinen Preiswettbewerbs auf den großen Anteil unterschwelliger Vergaben zurück – relativiert die Aussagekraft aber selbst, da bei knapp 24 Prozent der Vergaben keine Angabe zu den Zuschlagskriterien vorlag.
Auch insgesamt weist der Bericht auf Grenzen der Datenbasis hin: Die Datenqualität sei hinsichtlich Vollzähligkeit und Vollständigkeit der Meldungen weiterhin uneinheitlich, die Daten lieferten noch kein vollständiges Bild aller Vergaben in Deutschland. Erstmals konnte jedoch eine Zeitreihe der Auftragszahlen nach Monaten für die Jahre 2021 bis 2024 erstellt werden.
Quellen
- Vergabestatistik – Bericht für das Gesamtjahr 2024 (PDF, 70 Seiten)
- Publikationsseite des BMWE
- Vergabestatistik in GENESIS-Online (Code 79994)
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