
Mit dem Marktplatz Deutschland will der Bund eine gemeinsame Beschaffungsplattform für Bund, Länder und Kommunen aufbauen. Hinter dem Namen stehen zwei Vorhaben verschiedenen Ursprungs, von denen eines bereits im Produktivbetrieb ist. Dieser Beitrag ordnet die Begriffe, fasst den Sachstand zusammen und wird fortgeschrieben, sobald neue Schritte vorliegen.
Erstveröffentlichung 21.08.2026, zuletzt aktualisiert 06.10.2026
Was ist der Marktplatz Deutschland?
Der Marktplatz Deutschland ist die vom Bund geplante zentrale Beschaffungsplattform, über die öffentliche Auftraggeber von Bund, Ländern und Kommunen Vergabeverfahren digital durchführen können. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) beschreibt ihn als „zentrales digitales Portal für öffentliche Aufträge“, das die öffentliche Hand mit der Wirtschaft vernetzt.
Unter dem Namen laufen allerdings mehrere Vorhaben nebeneinander:
Marktplatz Deutschland – das Vorhaben des BMDS. Es setzt den Koalitionsvertrag um. Dort heißt es: „Die Bestellplattform des Bundes (Kaufhaus des Bundes) machen wir zu einem digitalen Marktplatz für Bund, Länder und Kommunen und konsolidieren die Vergabeplattformen.“
Schwerpunkt ist die Durchführung von Vergabeverfahren. Ein Minimalprodukt ist aufgesetzt und auf einer eigenen Seite des Bundes beschrieben. Eine Dialogphase mit der Wirtschaft war ab Januar 2026 vorgesehen. Bereitgestellt werden soll der Marktplatz bis zum 31. Dezember 2027.
Marktplatz Deutschland Digital (MDD) – der ältere, föderale Strang, hervorgegangen aus dem Vorhaben „Marktplatz der Zukunft“. Seit Oktober 2023 arbeiten DATABUND, FITKO, govdigital und ProVitako daran. Der IT-Planungsrat beauftragte die Konzeption am 19. Juni 2024 mit Beschluss 2024/23 und beschloss am 26. März 2025 mit Beschluss 2025/08 die Zusammenführung der föderalen Marktplätze FIT-Store, EfA-Marktplatz und Cloud-Service-Portal, technisch auf Basis des Cloud-Service-Portals der Deutschen Verwaltungscloud. Gegenstand ist nicht das Vergabeverfahren, sondern der Bezug digitaler Verwaltungsprodukte. Nach der gemeinsamen Präsentation von BMDS und FITKO soll sich die Plattform zudem gezielt „für private Anbieter sowie weitere Marktplätze“ öffnen. Der MDD ist seit dem 19. März 2026 im Produktivbetrieb, gesteuert von der FITKO und betrieben von der govdigital eG. Bestellbar sind zum Start DVC-konforme Cloud-Services. EfA-Leistungen und KI-Lösungen werden im MDD bereits angezeigt, beschafft werden sie derzeit aber weiter über den EfA-Marktplatz beziehungsweise den Marktplatz der KI-Möglichkeiten.
Kaufhaus des Bundes (KdB) – die bestehende elektronische Einkaufsplattform für Behörden und Einrichtungen des Bundes. Über sie werden standardisierte Liefer- und Dienstleistungen aus zuvor abgeschlossenen Rahmenvereinbarungen bezogen. Der Koalitionsvertrag beschreibt den Marktplatz Deutschland als deren Ausbau.
Für die Zusammenarbeit beider Vorhaben unterzeichneten BMDS und FITKO am 21. November 2025 eine Absichtserklärung. Sie beruht nach der gemeinsamen Präsentation beider Häuser auf drei Prinzipien: einer gemeinsamen Vision, der eigenverantwortlichen Umsetzung beider Vorhaben mit Schnittstellen und gemeinsamen Qualitätskriterien sowie einer „skalierbaren Kopplung“ von Marktplatz Deutschland und Marktplatz Deutschland Digital zu einem durchgängig digitalen Beschaffungsprozess.
| Merkmal | Marktplatz Deutschland | Marktplatz Deutschland Digital |
|---|---|---|
| Träger | BMDS (Bund) | IT-Planungsrat; Steuerung FITKO, Betrieb govdigital |
| Gegenstand | Vergabeverfahren, Bieterportal, App-Store | Beschaffung digitaler Verwaltungsprodukte |
| Start | 2025, Rollout 2027 geplant | seit Oktober 2023, produktiv seit 19.03.2026 |
| Grundlage | Koalitionsvertrag, Föderale Modernisierungsagenda (Maßnahme 150), § 23 UVgO-E | IT-Planungsrat, Beschlüsse 2024/23 und 2025/08 |
Die vier Bausteine des Marktplatzes Deutschland
In der gemeinsamen Präsentation von BMDS und FITKO vom 5. Dezember 2025 beschreibt der Bund vier zentrale Bausteine des Marktplatzes Deutschland:
- ein Bieterportal, in dem Unternehmen ihre Daten und Nachweise einmalig hinterlegen (Once-Only), mit geplanten Schnittstellen zu den Präqualifizierungsstellen und einem „mitwachsenden Eignungsprofil“;
- die Abbildung des Einkaufsprozesses, also die klassische E-Vergabe;
- ein App-Store für Verwaltungslösungen, der insbesondere Angebote junger Unternehmen sichtbar machen soll;
- die Distribution, also der gebündelte Zugang zu verschiedenen Marktplätzen und Beschaffungsquellen.
Als Ziele nennt der Bund die zentrale Auffindbarkeit von Vergabeverfahren, die einmalige Nachweisführung und einen leichteren Zugang für kleinere Unternehmen. Als Etappen nennt die Präsentation ein Minimalprodukt mit Bieterportal und Markterkundung Ende 2025 sowie die Fertigstellung des Marktplatzes und den Rollout in die Länder Ende 2027.
Ergänzend ist eine KI-gestützte Markterkundung vorgesehen. Die Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung vom 22. Juli 2026 nennt neben dem „Digitalen Marktplatz Deutschland“ den „Agentic AI Hub“, mit dem agentische KI für Verwaltungsaufgaben erprobt und skaliert werden soll. Verbreitet werden sollen entsprechende Lösungen über den Marktplatz Deutschland und die entstehende IT-Einkaufsorganisation des Bundes.
Der erste Fortschrittsbericht zur Föderalen Modernisierungsagenda vom 25. Juni 2026 verzeichnet den Prototyp als „in der Erprobungsphase“ mit Vergabestellen von Bund und Ländern sowie einer Vielzahl von Unternehmen und kündigt die erste Sitzung des strukturierten Dialogs für Juni 2026 an.
Am 21. August 2026 gab das BMDS eine Zusammenarbeit mit dem Land Berlin und der IHK Berlin bei der Modernisierung des öffentlichen Einkaufs bekannt. Ein Letter of Intent sieht unter anderem vor, die Funktion „Direktauftrag“ auf dem Marktplatz Deutschland gemeinsam zu entwickeln und zu erproben. Sie soll im Vergabealltag getestet werden, bevor sie in der Breite verfügbar gemacht wird. Zudem sieht der Letter of Intent eine Zusammenarbeit zur geplanten IT-Einkaufsorganisation des Bundes vor. Diese geht auf den Koalitionsvertrag zurück: „Auch den IT-Einkauf des Bundes wollen wir zentral strategisch steuern, um Abhängigkeiten von monopolistischen Anbietern zu reduzieren und den Digitalstandort Deutschland zu stärken.“
Marktplatz Deutschland im UVgO-Entwurf
Der Referentenentwurf für eine neue UVgO vom 30. Juni 2026 reserviert § 23 für den Marktplatz Deutschland und die Nutzung künstlicher Intelligenz. Bislang enthält die Bestimmung einen als „Hinweis“ gekennzeichneten Text: Der Marktplatz Deutschland werde als „digitale Infrastrukturplattform bereitgestellt, über die öffentliche Auftraggeber Vergabeverfahren datenbasiert, vernetzt und unter Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) durchführen können“. Die Verfahrensarten der UVgO sollen dort digital abgebildet werden; für marktgängige und digital vergleichbare Waren und Leistungen soll ein vereinfachter Beschaffungsweg hinzukommen. Konkrete Regelungen stellt der Entwurf in Aussicht, „sobald diese Digitalisierungsinstrumente zur Verfügung stehen“.
Hinzu kommt § 12 Absatz 3 UVgO-E: Auftragsbekanntmachungen „müssen zentral über die Suchfunktion des Internetportals www.oeffentlichevergabe.de [oder den Marktplatz Deutschland] ermittelt werden können“. Der Klammerzusatz steht so im Entwurfstext.
Die Stellungnahmefrist zum UVgO-Entwurf endete am 28. August 2026.
Zeitplan: Marktplatz Deutschland bis Ende 2027
Die Föderale Modernisierungsagenda, die Bund und Länder am 4. Dezember 2025 beschlossen haben, nennt für die Bereitstellung des digitalen Marktplatzes Deutschland den 31. Dezember 2027 (Maßnahme 150). Was die gemeinsame Plattform im Einzelnen regeln soll und wie sie sich zu den bestehenden Vergabeplattformen verhält, ist offen. § 23 UVgO-E enthält dazu bislang keinen Regelungstext. Bis zum selben Datum wollen Bund und Länder die Einrichtung zentraler Vergabestellen forcieren und die Nutzung von Vergabestellen anderer Behörden oder Dienstleister verstärken (Maßnahme 154). Bereits bis zum 31. Dezember 2026 soll der Einsatz von KI-Lösungen bei Vergaben und bei der Erstellung von Vergabeunterlagen auf Bundes- und Landesebene erprobt und ermöglicht werden (Maßnahme 151). Die Projektleitung im BMDS nannte im Dezember 2025 einen Rollout im Jahr 2027.
Chronik
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| Oktober 2023 | Arbeitsgruppe „Marktplatz der Zukunft“ von DATABUND, FITKO, govdigital und ProVitako |
| 19.06.2024 | IT-Planungsrat beauftragt die Konzeption (Beschluss 2024/23, 44. Sitzung) |
| 26.03.2025 | IT-Planungsrat beschließt die Zusammenführung der föderalen Marktplätze (Beschluss 2025/08) |
| April 2025 | Koalitionsvertrag: Ausbau des Kaufhauses des Bundes, Konsolidierung der Vergabeplattformen |
| 21.11.2025 | BMDS und FITKO unterzeichnen eine Absichtserklärung zur Verzahnung beider Vorhaben |
| 04.12.2025 | Föderale Modernisierungsagenda: Frist 31.12.2027 |
| 05.12.2025 | FITKO-Infoveranstaltung: gemeinsame Vision von BMDS und FITKO, vier Bausteine und Roadmap des Marktplatzes Deutschland vorgestellt |
| Januar 2026 | vorgesehener Beginn der Dialogphase des BMDS mit der Wirtschaft |
| 28.01.2026 | BMDS startet den Marktplatz der KI-Möglichkeiten (MaKI) |
| 19.03.2026 | Marktplatz Deutschland Digital startet den Produktivbetrieb |
| 25.06.2026 | Fortschrittsbericht: Prototyp des Marktplatzes in der Erprobungsphase, erste Dialogsitzung für Juni angekündigt |
| 30.06.2026 | UVgO-Referentenentwurf mit § 23 und dem Klammerzusatz in § 12 Absatz 3 |
| 22.07.2026 | Startup- und Scaleup-Strategie nennt Marktplatz und Agentic AI Hub |
| 21.08.2026 | BMDS gibt Zusammenarbeit mit Land Berlin und IHK Berlin bekannt (Letter of Intent, Schwerpunkt Direktauftrag) |
| 28.08.2026 | Ende der Stellungnahmefrist zum UVgO-Entwurf |
| 09.09.2026 | EU-Kommission legt den Vorschlag für den Public Procurement Act vor (COM(2026) 590) |
| 31.12.2026 | Termin der Modernisierungsagenda: KI-Einsatz bei Vergaben erprobt und ermöglicht (Maßnahme 151) |
| 31.12.2027 | Termin der Modernisierungsagenda für die Bereitstellung des Marktplatzes (Maßnahme 150) |
Transparenzhinweis: cosinex entwickelt und betreibt E-Vergabe-Lösungen. Der Beitrag behandelt damit auch Entwicklungen im eigenen Marktumfeld.
Alle Beiträge zum Thema
- Vergaberecht und öffentliche Beschaffung im Koalitionsvertrag (April 2025)
- Weitere Vereinfachungen des Vergaberechts geplant (Dezember 2025)
- Föderale Digitalstrategie in Zahlen: IT-Planungsrat und FITKO legen Jahresbericht vor (April 2026)
- Wie weit ist die Vereinfachung der UVgO? Bund und Länder ziehen Zwischenbilanz (Juni 2026)
- UVgO-Novelle: BMWE legt Entwurf vor (Juli 2026)
- Startup- und Scaleup-Strategie beschlossen: Vergabe wird eigenes Handlungsfeld (Juli 2026)
- EU-Vergaberechtsreform: Der Public Procurement Act im Überblick (September 2026)
Quellen
- IT-Planungsrat, Beschluss 2025/08 „Marktplatz der Zukunft“ vom 26.03.2025
- Bundesregierung, Föderale Modernisierungsagenda, Beschluss der MPK vom 04.12.2025 (PDF, Maßnahmen 150, 151, 154)
- BMDS, Einkauf und Vergabe: Der IT-Einkauf des Bundes (Themenseite)
- BMDS/FITKO, Marktplätze der öffentlichen Verwaltung – Eine gemeinsame Vision von BMDS und FITKO (Handout zur Infoveranstaltung vom 05.12.2025, PDF)
- BMWE, Unterschwellenvergabeordnung – Referentenentwurf und Erläuterungen
- Vergabeblog, Marktplatz Deutschland Digital startet Produktivbetrieb vom 24.03.2026
- eGovernment, Deutschland Digital: das Marktplätze-Puzzle
- forum vergabe, Gesprächskreis Digitale Transformation: „Marktplatz Deutschland“ vom 17.12.2025
- BMDS, „BMDS, Land Berlin und die IHK Berlin bündeln Kräfte zur Modernisierung des öffentlichen Einkaufs“, Pressemitteilung vom 21.08.2026
- Bundesregierung, Erster Fortschrittsbericht zur Föderalen Modernisierungsagenda (PDF, Juni 2026)
- FITKO, Marktplatz Deutschland Digital – Startseite (Stand 08.09.2026)
- eGovernment, Berlin: Gemeinsam den öffentlichen Einkauf modernisieren vom August 2026
- BMDS, „Start für bundesweiten KI-Marktplatz MaKI“, Pressemitteilung vom 28.01.2026
- CDU, CSU und SPD, Koalitionsvertrag „Verantwortung für Deutschland“ (PDF, 2025)
- BMDS, Marktplatz Deutschland (Landing Page zum Minimalprodukt)
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