Jedes Jahr befragen wir die Vergaberechtsexpertinnen und -experten auf dem Vergabesymposium zu den aus unserer Sicht wichtigsten Themen aus öffentlicher Beschaffung und Vergabe.

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An unserer jüngsten Trendbefragung konnten die über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Vergabesymposiums mitwirken, das am 19. und 20. Mai 2026 in Bochum stattfand. Während der gesamten Veranstaltung konnten unsere Gäste mit dem Smartphone oder Tablet an einer Kurzumfrage teilnehmen. Die Ergebnisse stellen wir in diesem Beitrag vor.

Die Trends der Vorjahre: 2022 · 2023 · 2024 · 2025

Nachhaltige Beschaffung

Seit Beginn der Expertenbefragung erheben wir, wie Nachhaltigkeitsaspekte in Vergabeverfahren verankert werden. Der Anteil derer, die Nachhaltigkeitskriterien noch gar nicht berücksichtigen, sinkt seither kontinuierlich: von 41 % im Jahr 2022 über 31 % im Jahr 2024 und 27 % im vergangenen Jahr auf nun 16 %. Das ist der deutlichste Rückgang seit Beginn der Reihe.

Zugleich verschiebt sich, an welcher Stelle des Verfahrens Nachhaltigkeit ansetzt. 43 % berücksichtigen sie sowohl in der Leistungsbeschreibung als auch in den Bewertungskriterien. 40 % verankern sie ausschließlich in der Leistungsbeschreibung beziehungsweise als Ausschlusskriterium – ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Die Verankerung allein in den Bewertungskriterien spielt mit 2 % praktisch keine Rolle mehr. Nachhaltigkeit wandert damit von der gewichteten Wertung in die harte Anforderung.

Künstliche Intelligenz

2024 fragten wir erstmals nach künstlicher Intelligenz, damals mit Blick auf Zukunftserwartungen; über 80 % gingen davon aus, dass sie in der öffentlichen Beschaffung eine Rolle spielen wird. Im vergangenen Jahr richtete sich die Frage auf den konkreten Einsatz. In diesem Jahr haben wir gefragt, was den Einsatz bremst.

Bemerkenswert ist zunächst eine Antwortmöglichkeit, die niemand wählte: „Kein Interesse“ kommt auf 0 %. Die Grundsatzfrage stellt sich in den Vergabestellen offenbar nicht mehr. Jeder Fünfte gibt an, KI bereits routinemäßig zu nutzen und überhaupt keine Hürde zu sehen.

Die genannten Hürden betreffen die Rahmenbedingungen. Unsicherheiten beim Datenschutz und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) führen mit 37 % deutlich, gefolgt von fehlenden Ressourcen für die Einarbeitung (20 %) und fehlenden geeigneten Werkzeugen (15 %). Das Budget nennen lediglich 8 %.

Vergabebeschleunigungsgesetz

Das Gesetz zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge (Vergabebeschleunigungsgesetz) trat am 1. Juli 2026 in Kraft, also gut sechs Wochen nach der Befragung. Die im Mai gemessenen Erwartungen richteten sich damit auf einen Rechtsrahmen, der noch bevorstand.

Sie fielen zurückhaltend aus. 53 % erwarteten keine spürbare Entlastung in der Praxis, 23 % eine Entlastung in Teilen und 5 % eine deutliche. Weitere 18 % hielten eine Beurteilung zu diesem Zeitpunkt für verfrüht. Zur Umsetzung in den cosinex Lösungen haben wir Ende Juni informiert.

Tariftreue

Mit dem Bundestariftreuegesetz und Novellen in mehreren Ländern – zuletzt in Hessen – wächst der Regelungsbestand zur Tariftreue spürbar. Wir wollten wissen, wie sich das auf die tägliche Arbeit auswirkt.

Die häufigste Antwort ist abwartend: 40 % halten die Auswirkungen für noch unklar. 28 % erwarten zusätzlichen Bürokratieaufwand, der den Nutzen überwiegt. 22 % sehen sich noch nicht direkt betroffen. Als begrüßenswert, weil es faire Wettbewerbsbedingungen schaffe, bewerten es 10 %.

Ausblick

Wie in jedem Jahr haben wir abschließend nach dem Thema gefragt, das in den kommenden zwölf Monaten am meisten an Bedeutung gewinnen wird. Vorn liegt die Vergabebeschleunigung mit den neuen Wertgrenzen (42 %), knapp gefolgt von künstlicher Intelligenz (37 %). Die digitale Souveränität, erstmals als Antwortmöglichkeit vorgesehen, erreicht – immerhin – 10 %.

Erneut fällt auf, dass nachhaltige Beschaffung, die in diesem Jahr den größten Umsetzungssprung der gesamten Reihe verzeichnet, auf einem der hinteren Plätze landet – nachdem sie von 2022 bis 2024 durchgehend die Spitzenposition belegt hatte. Was in der Praxis ankommt, gilt den Befragten offenbar nicht mehr als Trendthema.

Save the Date: 8. und 9. Juni 2027

Am Dienstag, 8. und Mittwoch, 9. Juni 2027, lädt cosinex wieder zum großen Familientreffen der Vergabeszene nach Bochum. Über die Agenda und die Anmeldemöglichkeiten informieren wir in gewohnter Weise auf vergabesymposium.de, hier im cosinex Blog sowie in unseren Newslettern. Wir würden uns freuen, auch Sie dort (wieder) zu treffen.

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Titelbild: Katrin Hauter