
Bundesverteidigungsminister Pistorius hat am 20. Mai 2026 die Reformagenda Rüstung vorgestellt: Das BAAINBw soll nach militärischen Operationsdomänen neu gegliedert, dezentralisiert und durch verkürzte Beschaffungsverfahren beschleunigt werden.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat dem Verteidigungsausschuss des Bundestags am 20. Mai 2026 die „Reformagenda Rüstung“ vorgestellt. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) – mit rund 10.000 zivilen Mitarbeitenden eines der größten Beschaffungsämter Deutschlands – soll nach militärischen Operationsdomänen neu gegliedert und an mehreren neuen Standorten dezentralisiert werden.
Das BAAINBw wird künftig in Programm- und Projektteams nach den Domänen Land, See, Luft, Cyberraum und Weltraum strukturiert. Das Bundesverteidigungsministerium verspricht sich davon mehr Agilität bei gleichzeitig verlässlichen Schnittstellen zu den Teilstreitkräften und Industriepartnern. Für kommerzielle Standardprodukte sollen nur noch die gesetzlich vorgeschriebenen Verfahrensschritte durchgeführt werden, um die Beschaffungszeit gegenüber dem bisherigen Stand spürbar zu verkürzen. Das BAAINBw soll zudem zur zentralen Stelle für Markt- und Technologieaufklärung sowie für das Monitoring von Lieferketten und Preisentwicklungen werden.
Neue Standorte neben dem Hauptsitz Koblenz
Der Hauptsitz in Koblenz bleibt nach Angaben des Ministeriums das organisatorische Herzstück der Beschaffungsorganisation. Ergänzend sind vier neue regionale Standorte vorgesehen:
- Dresden: Schwerpunkt IT und Cyberoperationen
- Bremen: Raumfahrt- und Seesysteme
- Brüssel: Koordination mit europäischen Partnern und NATO-Stellen
- Kiel: Innovationszentrum für Schiffbau und Marineelektronik (Eröffnung noch 2026 geplant)
Hintergrund: Investitionsdruck seit 2022
Seit der russischen Invasion der Ukraine hat Deutschland nach eigenen Angaben rund 189 Milliarden Euro in die Ausrüstung der Bundeswehr investiert. Die Beschaffungsgeschwindigkeit gilt dabei als kritischer Faktor – insbesondere angesichts eines sicherheitspolitischen Planungshorizonts, den das Ministerium bis 2029 ansetzt. Die Reformagenda knüpft an das Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr an, das im Februar 2026 in Kraft getreten war und bereits vergaberechtliche Erleichterungen für bestimmte Rüstungsvorhaben eingeführt hatte.
Vergaberechtlicher Kontext
Das BAAINBw vergibt Aufträge überwiegend auf Grundlage der Vergabeverordnung Verteidigung und Sicherheit (VSVgV), die für sicherheitssensible Beschaffungen an die Stelle der regulären Vergabe- und Vertragsordnung tritt. Die angekündigten Verfahrensvereinfachungen betreffen daher in erster Linie interne Ablaufstrukturen und nicht das Vergaberecht für öffentliche Auftraggeber außerhalb des Verteidigungsbereichs.
Quellen
- Rhein-Zeitung: Bundeswehr – Reformagenda Rüstung: Bundeswehr stellt sich in der Beschaffung neu auf
- buten un binnen: Beschaffungsamt der Bundeswehr eröffnet neuen Standort in Bremen
- Deutschlandfunk: Verteidigungsminister Pistorius will Rüstungsbeschaffung neu organisieren
- Staatskanzlei Schleswig-Holstein: Bundeswehr-Forschungszentrum kommt nach Kiel
Titelbild: Bundeswehr/Sebastian Wilke