Innovation Procurement meint die Beschaffung von Innovation

Das Kompetenzzentrum innovative Beschaffung (KOINNO) hat den Start-up-Beschaffungsindex 2026 veröffentlicht. Die Auswertung von Staat-up e.V. und der Universität der Bundeswehr München analysiert erstmals auch Unterschwellenvergaben und Verfahrensteilnahmen – und zeigt: Wenn Start-ups sich beteiligen, gewinnen sie annähernd gleich oft wie etablierte Unternehmen.

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Grundlage der Analyse sind 32.287 auf startupdetector.de gelistete Start-ups, die mit den Vergabedaten des Datenservice Öffentlicher Einkauf abgeglichen wurden. Gegenüber früheren Auswertungen, die sich auf Daten der EU-Ausschreibungsplattform TED stützten, erfasst der diesjährige Index erstmals sowohl Ober- als auch Unterschwellenvergaben. Zudem liegen erstmals Daten zu Verfahrensteilnahmen vor, die Aussagen über Erfolgsquoten ermöglichen.

Die Auswertung umfasst die Jahre 2024 und 2025.

Methodische Grenzen

Die Autoren weisen ausdrücklich auf Einschränkungen der Datenbasis hin. Auftragsvolumina sind in den Bekanntmachungen häufig nicht oder ungenau angegeben; die Analyse beschränkt sich deshalb auf die Anzahl der Vergaben, nicht auf Auftragswerte. Zudem lässt sich nicht bestimmen, ob ein Start-up in einem Verfahren einem anderen Start-up oder einem etablierten Unternehmen unterlegen war.

Für das Jahr 2024 kommt eine weitere Verzerrung hinzu: Ein einzelnes Start-up erhielt 32 Aufträge von verschiedenen Krankenhäusern im Bereich Rechnungsstellung – das entspricht mehr als einem Drittel aller 87 erfolgreichen Vergaben an Start-ups in diesem Jahr.

Ergebnisse 2024: 87 Vergaben, IT dominiert

Im Jahr 2024 erhielten Start-ups insgesamt 87 Aufträge – 0,68 Prozent aller vergebenen Aufträge. Die stärkste Branche war IT & Software mit 45 Vergaben (8,06 % aller Vergaben in dieser Branche), wovon 32 auf ein einziges Unternehmen entfielen. Es folgten Rüstung & Sicherheit (2,42 %) sowie Forschung & Entwicklung (2,41 %).

Bei den Verfahrensarten lag die höchste relative Start-up-Beteiligung bei Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb (2,68 %) sowie Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb (1,07 %).

Erstmals erfasst wurden auch Verfahrensteilnahmen: Start-ups nahmen 2024 an 781 Vergabeverfahren teil, gegenüber 104.956 Teilnahmen etablierter Unternehmen (0,74 %). Von den teilnehmenden Start-ups gewannen 11,14 % einen Auftrag; bei etablierten Unternehmen lag dieser Wert bei 12,05 %.

Ergebnisse 2025: Leichte Steigerung, vergleichbare Quoten

Für 2025 weist der Index 105 erfolgreiche Vergaben an Start-ups aus – ein Anteil von 0,73 Prozent. Die Branchenstruktur verschob sich: Forschung und Entwicklung erreichten mit 4,84 % den zweithöchsten branchenspezifischen Start-up-Anteil; IT und Software lagen bei 2,31 %.

Ein Ausreißer in den Daten: Im Bereich Finanzdienstleistungen entfielen 18 von 52 Vergaben auf Start-ups (34,62 %) – ausschließlich Leasingverträge für Dienstfahrräder.

Bei den Verfahrensarten wiesen der Wettbewerbliche Dialog (6,25 %) und Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb (3,06 %) die höchsten relativen Start-up-Anteile auf. Eine Innovationspartnerschaft wurde vollständig an ein Start-up vergeben – bei einer Grundgesamtheit von einem Verfahren.

Die Teilnahmequoten bestätigen das Bild aus 2024: Start-ups nahmen an 704 Verfahren teil (0,73 % aller Teilnahmen). Ihr relativer Gewinnanteil lag mit 14,91 % nahezu gleichauf mit dem etablierter Unternehmen (14,78 %).

Zusammenfassung

Der Start-up-Beschaffungsindex 2026 beschreibt eine geringe, aber stabile Beteiligung von Start-ups am öffentlichen Auftragswesen. Schwerpunkte liegen in den Bereichen IT & Software sowie Forschung & Entwicklung. In komplexeren Verfahrensarten wie dem Wettbewerblichen Dialog und Verhandlungsverfahren sind Start-up-Anteile überproportional hoch. Der zentrale Befund: Start-ups, die sich an Vergabeverfahren beteiligen, erzielen ähnliche Gewinnquoten wie etablierte Unternehmen.

Die Aussagekraft des Index bleibt durch die Qualität der Datenbasis begrenzt. Die Autoren sehen weiteren Klärungsbedarf, insbesondere hinsichtlich der Datenqualität einzelner Angaben und der Vergleichbarkeit der Jahreswerte.

Der vollständige Start-up-Beschaffungsindex 2026 steht auf der KOINNO-Website zum Download bereit.

Titelbild: Fotolia Sunny Studio