Der Aktionsplan „RESourceEU“ zur Sicherung kritischer Rohstoffe nimmt auch die öffentliche Auftragsvergabe in den Blick: Die Kommission kündigt an, im Zuge der Überarbeitung der Vergaberichtlinien Anreize für eine diversifizierte Rohstoffbeschaffung zu prüfen und öffentliche Auftraggeber zu einer stärkeren Berücksichtigung nicht preisbezogener Kriterien wie Diversifizierung aufzurufen.

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Mit dem am 3. Dezember 2025 angenommenen Aktionsplan „RESourceEU“ will die Europäische Kommission die Strategie für kritische Rohstoffe beschleunigen. Neben Maßnahmen zu Projekten, Finanzierung, Recycling und internationaler Zusammenarbeit benennt die Mitteilung auch die öffentliche Auftragsvergabe als Hebel, um Abhängigkeiten in strategischen Lieferketten zu verringern.

Ausgangspunkt ist nach Darstellung der Kommission die hohe Importabhängigkeit der EU bei kritischen Rohstoffen und die Konzentration von Produktionskapazitäten, insbesondere in China. Exportkontrollen und Genehmigungsunsicherheiten führten zu bürokratischen Hindernissen und Lieferverzögerungen; betroffen seien etwa Hersteller in der Automobil- und Maschinenindustrie sowie im Medizinproduktebereich. Vor diesem Hintergrund soll die EU die Diversifizierung ihrer Lieferketten stärker absichern.

Vergaberichtlinien: Kommission prüft Diversifizierungsanreize

Die Kommission erklärt, sie prüfe derzeit Anreize für die Diversifizierung der Versorgung mit kritischen Rohstoffen im Rahmen der Überarbeitung der Richtlinien über die öffentliche Auftragsvergabe. Genannt werden die Richtlinien 2014/23/EU (Konzessionen), 2014/24/EU (klassische Vergabe) und 2014/25/EU (Sektoren). Zugleich wird der Zusammenhang zur Richtlinie 2009/81/EG über die Vergabe in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit hergestellt, deren Überarbeitung ebenfalls als Prüfrahmen für Diversifizierungsanreize genannt wird.

Damit wird die öffentliche Beschaffung in der Mitteilung ausdrücklich in einen wirtschafts- und sicherheitspolitischen Kontext gestellt: Versorgungssicherheit und die Verringerung riskanter Abhängigkeiten sollen als Zielrichtung auch über vergaberechtliche Instrumente unterstützt werden.

Auftraggeber sollen Diversifizierung als Kriterium stärker berücksichtigen

Für die Praxis der Vergabestellen enthält der Aktionsplan einen direkten Appell: Öffentliche Auftraggeber der Mitgliedstaaten werden aufgefordert, Auftragnehmern eine sichere Rohstoffbeschaffung zu ermöglichen. Als Beispiel nennt die Kommission die Priorisierung von Projekten anhand nicht preisbezogener Kriterien wie Diversifizierung – insbesondere dann, wenn Auftragnehmer auf in der EU raffinierte oder rezyklierte Rohstoffe angewiesen sind.

Der Aktionsplan verknüpft dies mit der strategischen Bedeutung bestimmter Wertschöpfungsketten, insbesondere für seltene Erden, Batterierohstoffe und verteidigungsbezogene Rohstoffe. In diesem Zusammenhang hebt die Kommission hervor, dass Exportkontrollen – auch extraterritoriale Kontrollen von Verteidigungsgütern, die kritische Rohstoffe enthalten – als unmittelbare Bedrohung für Sicherheit und Verteidigung der EU gesehen werden.

Gemeinsame Beschaffung: Zentrum für kritische Rohstoffe soll aufbauen

RESourceEU sieht zudem Instrumente vor, die öffentliche Beschaffung organisatorisch flankieren können. Ab 2026 soll ein Europäisches Zentrum für kritische Rohstoffe eingerichtet werden. Es soll unter anderem gemeinsame Beschaffungsmaßnahmen durchführen können und Angebot und Nachfrage abstimmen. Das Zentrum soll außerdem der Beschaffung kritischer Rohstoffe für strategische Sektoren wie Luft- und Raumfahrt und Verteidigung Vorrang einräumen und dabei Kohärenz mit Bevorratungsmaßnahmen von Mitgliedstaaten und Industrie sicherstellen.

Daneben wird ein Rohstoffmechanismus innerhalb der EU-Plattform für Energie und Rohstoffe beschrieben, der als Matchmaking-Instrument Käufer und Lieferanten vernetzen und Nachfragebündelung ermöglichen soll. Das Zentrum soll nach seiner Inbetriebnahme auf diesen Mechanismen aufbauen, um gemeinsame öffentliche Beschaffungen im Namen öffentlicher und privater Einrichtungen durchzuführen.

Diversifizierungspflichten für große Unternehmen als Flankierung

Über das Vergaberecht hinaus schlägt die Kommission eine gezielte Änderung der Verordnung zu kritischen Rohstoffen vor, um nachgelagerte Industrien zur Diversifizierung der Beschaffung anzuhalten. Große Unternehmen sollen Lieferkettenrisiken bewerten und erforderlichenfalls Maßnahmen ergreifen; bei erheblicher Anfälligkeit soll die Kommission Diversifizierung verbindlich vorgeben können. Diese Vorgaben sind aus Sicht der Mitteilung auch darauf gerichtet, Nachfrage nach Projekten innerhalb der EU-Wertschöpfungskette zu erzeugen und Versorgung aus „vertrauenswürdigen Partnerländern“ zu sichern.

Titelbild: Guillaume Périgois – Unsplash