Mit dem XKatalog wird ein nationaler E-Katalog-Standard für die öffentliche Vergabe in Deutschland entwickelt. Er soll den bislang unstrukturierten Übergang zwischen Vergabe- und Vertragsausführungsphase überbrücken und 2026 als offener Standard veröffentlicht werden.

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E-Kataloge organisieren Produktinformationen in elektronischer Form und kommen sowohl in der Vergabephase (Pre-Award) als auch in der Vertragsausführungsphase (Post-Award) zum Einsatz. In der Praxis fehlt es bislang an einem standardisierten Format für den Datenaustausch zwischen beiden Phasen. Informationen, die bereits in der Ausschreibung erfasst wurden, müssen in der Folge erneut eingegeben und überprüft werden. Der XKatalog soll diese Lücke schließen, indem er strukturierte Daten aus der Vergabephase in die Vertragsausführungsphase überführt.

Von der Ausschreibung bis zur Rechnung

Der Standard ermöglicht es, Katalogdaten in nachgelagerte Dokumente wie elektronische Bestellungen und Rechnungen zu überführen. Dazu bindet der XKatalog an die gleiche Syntax-Familie (UBL) an, die auch für diese Dokumente verwendet wird. Dadurch können Daten automatisch validiert und transformiert werden, was den Verwaltungsaufwand reduzieren soll.

Entwickelt in Zusammenarbeit mit KoSIT und CEN

An der Spezifikation des XKatalog sind Forscher der Universität Koblenz, die Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) sowie Vertreter des Europäischen Komitees für Normung (CEN), Bundesbehörden und Unternehmen aus dem Vergabebereich beteiligt. Ein zentrales Steuerungsgremium mit IT-Governance-Funktion koordiniert die Standardisierung über alle Ebenen hinweg – von europäischen Normen bis zu nationalen Anforderungen.

Die rechtliche Interoperabilität wurde durch Analyse europäischen und deutschen Rechts geprüft. Die organisatorische Abstimmung erfolgte iterativ mit Vergabestellen und Unternehmen aus der Praxis. Die semantischen Inhalte wurden in Experten-Workshops erarbeitet. Technisch setzt der XKatalog ausschließlich auf offene Spezifikationen und Standards.

Ganzheitliche Methodik als Grundlage

Dem XKatalog liegt eine eigens entwickelte Methodik namens HoDS (Holistic Data Standardization Methodology) zugrunde, die in einem Paper auf der 59. Hawaii International Conference on System Sciences (HICSS) 2026 vorgestellt wurde. Sie führt vier bestehende Ansätze zusammen: das European Interoperability Framework (EIF) für die übergreifende Interoperabilität, das Framework for Interoperable Service Architecture Development (FISAD) für architekturale Betrachtungen, ein iteratives Requirements Engineering für die Anforderungskoordination sowie Simple Semantic Data Modeling in XML (SeMoX) für die eigentliche Datenmodellierung.

SeMoX ermöglicht es, das semantische Modell des Standards in XML zu erstellen und daraus sowohl maschinenlesbare Artefakte als auch menschenlesbare Dokumente wie PDF-Spezifikationen zu erzeugen. So können Fachexperten ohne IT-Hintergrund die Inhalte des Standards prüfen, während technische Experten die Implementierung vorantreiben.

Anpassungsfähig bei sich ändernden Anforderungen

Das Paper hebt hervor, dass sich die Methodik im Fall des XKatalog als anpassungsfähig gegenüber der laufenden Entwicklung der europäischen Norm EN17015-2 im CEN TC 440 erwiesen habe. Änderungen auf europäischer Ebene können über die modulare Struktur systematisch in Architektur, Anforderungen und Spezifikation übertragen werden. Als Hürden für die Einführung des XKatalog benennen die Autoren die Abhängigkeit von einem bestehenden Expertennetzwerk, die Sicherung politischer Finanzierung sowie die durchgängige Einbindung aller Beteiligten über den gesamten Standardisierungsprozess.

Quelle und Links