Innovationen in der öffentlichen Vergabe

Wie schon in den Vorjahren hat die Europäische Kommission erneut einen Report zur Nutzung der Innovationspartnerschaft (IP) veröffentlicht. Der Untersuchungszeitraum umfasst jetzt auch das Jahr 2024.

Newsletter-Anmeldung

Die Innovationspartnerschaft

Das Verfahren der Innovationspartnerschaft (IP) wurde mit Artikel 31 der EU-Richtlinie 2014/24/EU eingeführt, um öffentlichen Auftraggebern Zugang zu einem spezifischen Beschaffungsverfahren zu einzuraumen, das die Entwicklung und den anschließenden Kauf neuer, innovativer Waren, Dienstleistungen oder Bauleistungen ermöglicht. Deren Kauf spielt laut Begründung

eine zentrale Rolle bei der Steigerung der Effizienz und der Qualität öffentlicher Dienstleistungen und ermöglicht es gleichzeitig, großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen.

Das Verfahren findet sich auch in der Vergabeverordnung (§ 19) sowie dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (§ 119).

Weniger Verträge, aber deutlich höheres Volumen

Im Jahr 2024 sank die Zahl der vergebenen IP-Aufträge auf nur noch 12 – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 27 Aufträgen im Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2016. Gleichzeitig stieg das Auftragsvolumen auf ein Rekordhoch von 1.095 Mio. Euro, was den bisherigen Spitzenwert aus 2020 (658 Mio. Euro) weit übertrifft.

Insgesamt wurden zwischen 2016 und 2024 nunmehr 218 Innovationspartnerschaften mit einem Gesamtvolumen von über 9,5 Mrd. Euro vergeben. Unter Berücksichtigung geschätzter fehlender Werte soll das Gesamtvolumen bei etwa 10,1 Mrd. Euro liegen.

Evolution of Contracts Awarded by Directive. Screenshot aus Report on the use of Innovation Partnerships (IPs) EEA over the period 2016-2024

Länderverteilung

Innovationspartnerschaften wurden 2024 in sechs verschiedenen Mitgliedstaaten durchgeführt, die sich der Darstellung der EU jedoch nicht klar entnehmen lassen. Im gesamten Betrachtungszeitraum 2016–2024 nutzten insgesamt 19 Länder das Instrument, darunter neben den EU-27-Staaten auch die EWR-Länder Norwegen, Island und Liechtenstein.

Die Top-Länder nach Anzahl der vergebenen Aufträge (2016–2024) sind:

  1. Finnland und Frankreich (je 28 Aufträge, je 12,7 %)
  2. Tschechische Republik und Deutschland (je 27 Aufträge, je 12,3 %)
  3. Niederlande und Norwegen (je 23 Aufträge, je 10,5 %)

Sektorale Verteilung

Die wichtigsten Sektoren nach Anzahl der Aufträge sind:

  • Mobilität (18 %)
  • IKT (12 %)
  • Öffentliche Dienstleistungen (12 %)
  • Umwelt (11 %)
  • Gesundheit (10 %)

Nach Auftragswert dominiert der Mobilitätssektor noch deutlicher – er macht rund 39 % des Gesamtvolumens aus (ohne Ausreißer), gefolgt vom Bausektor mit 32 %.

KI-bezogene Innovationspartnerschaften

Der Report identifiziert im gesamten Zeitraum 16 Fälle, in denen KI im Zentrum der Entwicklung neuer Lösungen stand. Das Gesamtvolumen dieser KI-Aufträge beträgt 35,6 Mio. Euro, 15 Mio. Euro davon im Jahr 2024. Finnland führt bei der Anzahl der KI-bezogenen Innovationspartnerschaften.

Quelle

Titelbild: Ameen Fahmy – Unsplash