
Die Nachricht einer für öffentliche Ausschreibungen zuständigen KI-Ministerin in Albanien schlug Ende September hohe Wellen. Wir blicken auf die 100-Tage-Bilanz von „Diella“.
Als Minister of State for Artificial Intelligence wird „Diella“ im Kabinett von Premierminister Edi Rama geführt. Vor seiner Ernennung zur „Ministerin“ wurde das KI-System bereits als digitaler Chatbot auf den Internetseiten der Regierung eingesetzt.
Im September beförderte der Premierminister Edi Rama es in den Ministerrang. Diella sollte in dieser Funktion Angebote auf Ausschreibungen unabhängig vergleichen und der Regierung so eine Entscheidungshilfe bieten. Der Einsatz von Diella werde Albanien zu einem Land machen, „in dem öffentliche Ausschreibungen hundertprozentig ohne Bestechung ablaufen und jedes öffentliche Geld, das ein Ausschreibungsverfahren durchläuft, hundertprozentig nachvollziehbar ist“, erklärte Rama in einer Rede vor dem Parlament.
Die Nachricht erzielte international derart viel Aufmerksamkeit, dass Rama schon wenige Wochen später nachlegte: Die KI sei nun „schwanger“. Ihre 83 „Kinder“ sollen künftig als Parlamentsassistenten den Abgeordneten zuarbeiten, Protokolle führen und „Vorschläge machen, wie sie reagieren sollen“, wie Rama auf der Veranstaltung „Berlin Global Dialogue“ erklärte.
Wie sich „Diella“ hinsichtlich der öffentlichen Beschaffung genau verhält, ist nicht feststellbar. Auf der Website der Public Procurement Agency des Landes spielt das System keine von außen erkennbare Rolle.
Aranita Brahaj, Geschäftsführerin der zivilgesellschaftlichen Organisation Open Data Albania, verwies gegenüber „Tagesschau“ auf mögliche Probleme, etwa bei der Handhabung von Beschwerden.
KI in Verwaltung und öffentlicher Beschaffung
Abseits solcher Beispiele, die zweifellos auch auf die Public Relations der Regierung einzahlen sollen, spielt künstliche Intelligenz in der Interaktion zwischen Staat, Bürgern und Unternehmen eine wachsende Rolle.
Ein aktuelles Whitepaper der Plattform Lernende Systeme zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie staatliches Handeln dadurch effizienter und nutzerfreundlicher werden kann. Es betont so die Bedeutung eines verantwortungsvollen KI-Einsatzes als Grundlage für eine moderne, transparente und partizipative digitale Verwaltung.
Betont werden aber auch Bedingungen des vertrauenswürdigen und effizienten KI-Einsatzes: Zu ihnen zählen Transparenz ebenso wie Kontrollierbarkeit und Widerspruchsmöglichkeiten.
Menschliches Urteilsvermögen unterstützen, nicht ersetzen
Bezogen auf das öffentliche Beschaffungswesen schreibt Marta Andhov von der University of Auckland, dass KI das öffentliche Beschaffungswesen nachhaltiger und effizienter machen könne – aber nur unter strenger menschlicher Kontrolle.
KI könne bei der Bedarfsplanung historische Daten auswerten, bei Ausschreibungen Nachhaltigkeitszertifikate prüfen und Greenwashing erkennen, und während der Vertragslaufzeit die Einhaltung von Nachhaltigkeitszielen überwachen.
Andererseits warnt Andhov vor erheblichen Risiken: algorithmische Voreingenommenheit (die etwa kleine lokale Unternehmen benachteiligen kann), mangelnde Transparenz bei „Black Box“-Systemen und der nicht zu unterschätzende ökologische Fußabdruck von KI selbst.
KI auf dem Vergabesymposium
Auch auf dem Vergabesymposium, das am 19. und 20. Mai in Bochum stattfand, prüfen wir künstliche Intelligenz auf ihren Praxisnutzen im Beschaffungsalltag.
Unter dem Motto „Copilot statt Autopilot“ wird hinter den technischen Hype geblickt, um konkrete, belastbare Anwendungen aufzudecken.
Unter anderem wird cosinex-Geschäftsführer Carsten Klipstein Live-Einblicke in die KI-Strategie der cosinex bieten.
Vergabesymposium 2026
- 19. – 20. Mai 2026
- Jahrhunderthalle Bochum
- 32 Referenten · 2 Fachforen
- Frühbucherrabatt bis zum 31. Januar