
Das Umweltbundesamt hat eine umfassende Studie zu Möglichkeiten und Hemmnissen bei der öffentlichen Beschaffung instandgesetzter und wiederaufgearbeiteter IKT-Geräte veröffentlicht. Die Untersuchung zeigt Wege auf, wie Bund, Länder und Kommunen durch Zweitnutzung erhebliche Umweltentlastungen und Kosteneinsparungen erzielen können.
Die im Oktober 2025 erschienene Studie untersucht, wie öffentliche Einrichtungen gebrauchte Informations- und Kommunikationstechnologien beschaffen können. Dabei kombiniert die Untersuchung Literaturrecherchen, Marktanalysen und Interviews mit Akteuren der Angebots- und Nachfrageseite. Zusätzlich flossen Erkenntnisse aus Betriebsbesuchen bei professionellen Instandsetzungsbetrieben ein.
Erhebliche Einsparpotenziale bei Treibhausgasemissionen
Die Studie zeigt, dass die Zweitnutzung von IKT-Geräten nach einer Instandsetzung oder Wiederaufarbeitung erhebliche Umweltentlastungen mit sich bringt. Bei einem Computerarbeitsplatz mit Desktop-PC liegt der Anteil der Herstellungsphase an den Gesamttreibhausgasemissionen bei etwa 64 Prozent, bei Notebooks sogar bei etwa 83 Prozent.
Durch eine Verlängerung der Nutzungsdauer der in der Bundesverwaltung eingesetzten Notebooks von drei auf sechs Jahre ließen sich laut Studie rund 95 Millionen Euro und Treibhausgasemissionen in Höhe von 71000 Tonnen CO₂-Äquivalente in einem Zeitraum von zehn Jahren einsparen.
Rechtlicher Rahmen unterstützt nachhaltige Beschaffung
Das Kreislaufwirtschaftsgesetz verpflichtet Behörden des Bundes zur Bevorzugung ressourcenschonender Produkte. Dies umfasst explizit Erzeugnisse, die durch Vorbereitung zur Wiederverwendung oder durch Recycling hergestellt wurden oder sich durch Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit auszeichnen.
Das Bundes-Klimaschutzgesetz schreibt vor, dass Beschaffende bei ihren Kaufentscheidungen Klimaschutzaspekte berücksichtigen müssen. Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung klimafreundlicher Leistungen (AVV Klima) konkretisiert diese Verpflichtungen für Bundesbehörden.
Zentrale Hemmnisse identifiziert
Die Studie identifiziert mehrere Hindernisse für eine breitere Umsetzung. Ein zentrales Hemmnis ist das Fehlen anerkannter Standards für Instandsetzungs- und Wiederaufarbeitungsprozesse auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene. Es existieren lediglich technische Spezifikationen, die jedoch nur begrenzten Wert als Nachweis für die Erfüllung von Ausschlusskriterien, Eignungskriterien oder Zuschlagskriterien haben.
Nach einer Erstnutzungszeit von fünf bis sieben Jahren ist die Instandsetzung in der Praxis technisch schwierig und aus ökonomischer Sicht nicht mehr rentabel. Die Geräte müssen vor diesem Zeitpunkt der Instandsetzung zugeführt werden, um technisch und wirtschaftlich ein zweites Leben zu ermöglichen.
Marktkapazitäten vorhanden
Professionelle B2B-Instandsetzungsunternehmen in Deutschland können in der Regel 200 bis 500 Exemplare derselben Marke und desselben Modells auf einmal anbieten. Bei größeren Unternehmen kann diese Zahl deutlich höher liegen. Sowohl kleine als auch große Betriebe können über einen längeren Zeitraum große Mengen von Geräten mit vergleichbaren Spezifikationen liefern – von 10.000 bis zu 20.000 Geräten auf Rollout-Basis.
Instandgesetzte IKT-Geräte sind grundsätzlich in der Lage, die Leistungsanforderungen für zahlreiche Anwendungen zu erfüllen, insbesondere für typische Office-Anwendungen. Allerdings können Software-Updates und steigende Sicherheitsanforderungen die Nutzung älterer Geräte einschränken.
Praktische Anleitung für Beschaffende
Der zweite Teil der Studie bietet einen praktischen Leitfaden für die öffentliche Beschaffung gebrauchter IKT-Geräte. Dieser umfasst Orientierungshilfen für die Bedarfsanalyse, Marktforschung und Auswahl des geeigneten Beschaffungsansatzes. Darüber hinaus werden konkrete Empfehlungen für die Vorbereitung von Ausschreibungen gegeben, einschließlich geeigneter Eignungskriterien, Leistungsbeschreibungen und Zuschlagskriterien.
Die Studie enthält auch internationale Fallstudien aus Irland und Norwegen, die erfolgreiche Ansätze zur Förderung der Wiederverwendung von IKT-Geräten im öffentlichen Sektor aufzeigen.
Empfehlungen für verschiedene Akteure
Für politische Entscheidungsträger empfiehlt die Studie einen weiteren Austausch zwischen IKT-Experten aus den Bereichen Instandsetzung und Wiederaufarbeitung sowie IKT-Sicherheitsexperten. Zudem sollten Möglichkeiten zur Förderung kreislaufwirtschaftlicher Maßnahmen in Rahmenverträgen gefunden werden, etwa durch Festlegung von Quoten oder speziellen Losen für gebrauchte Geräte.
Beschaffende sollten sich bei der Umsetzung von Ausschreibungen an den bereitgestellten Leitlinien orientieren. Dies umfasst eine angepasste Bedarfsanalyse, eine hinreichende Marktrecherche sowie die Wahl des geeigneten Beschaffungsansatzes.
Quelle
Die Unterlage Herausforderungen und Lösungsansätze für die öffentliche Beschaffung von gebrauchten IKT-Geräten kann hier kostenfrei als PDF bezogen werden.
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