Der „Datenraum für das öffentliche Auftragswesen“ (Public Procurement Data Space, PPDS) der Europäischen Kommission ist seit September 2024 online. Die Datenbasis reicht inzwischen bis 2026, drei Dashboards sind hinzugekommen. Angebunden sind aber weiterhin nur vier Länder – acht weitere befinden sich seit zwei Förderjahren in Vorbereitung.

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Der PPDS sollte den „brachliegenden Datenschatz“ ober- wie unterhalb der EU-Schwellenwerte heben und zentral verfügbar machen. Der Anlass ist eine Größenordnung: Mehr als 250.000 öffentliche Auftraggeber in der Union geben jährlich rund zwei Billionen Euro aus, etwa 13,6 % des Bruttoinlandsprodukts. Zentral verfügbar und für die Analyse durchsuchbar waren davon nach Angaben der Kommission nur die Daten von 20 % aller Ausschreibungen – nämlich derjenigen oberhalb der EU-Schwellenwerte, die über TED zu veröffentlichen sind. Die übrigen 80 % verteilten sich in unterschiedlichen Formaten über die Systeme der Mitgliedstaaten.

Im Datenraum sollten diese Quellen daher zusammengeführt und ihre Interoperabilität über eine gemeinsame Semantik hergestellt werden, die eProcurement Ontology (ePO).

Die Datenbasis reicht jetzt bis 2026

Der Hinweis zur Datenabdeckung, den der PPDS seinen Auswertungen voranstellt, nennt vier Quellen neben TED und Datenjahre bis einschließlich 2026:

The data currently available for analysis spans multiple years and countries. It includes datasets for TED, covering the complete years from 2021 to 2026; Austria from 2017 to 2026; Germany, Finland, and Norway from 2023 to 2026.

Für Deutschland liegen damit vier Jahrgänge vor. Erst das macht die deutschen Werte als Zeitreihe brauchbar: Zum Start standen zwei Jahrgänge zur Verfügung, aus denen sich kein Trend ablesen ließ. In den Dashboards selbst lässt sich als frühestes Jahr 2018 auswählen.

Drei neue Dashboards

Die Liste ist von vierzehn auf siebzehn Dashboards in unverändert sechs Kategorien gewachsen; die drei neuen sind unten mit (neu) gekennzeichnet.

Datenqualität

Allgemeine Übersicht über öffentliche Beschaffung

Wettbewerb

Strategische Beschaffung

KMU-Beteiligung

Effizienz

Beim neuen Dashboard Clean vehicles gilt dieselbe Einschränkung, die wir an der europäischen Nachhaltigkeitsmessung beschrieben haben: Erfasst wird, was in der Bekanntmachung angegeben ist, nicht die tatsächliche Umweltwirkung.

Beispieldatensatz: Aufträge mit nur einem Bieter

Das Dashboard Single bidder stellt den Anteil der vergebenen Aufträge dar, bei denen es nur einen einzigen Bieter gab, und erlaubt Auswertungen nach Land, Verfahrensart, Vertragstyp und CPV-Code. Für Deutschland geht dieser Anteil seit 2023 zurück:

JahrAnteil
202123 %
202228 %
202328 %
202425 %
202523 %
202620 %

Über die drei abgeschlossenen Jahrgänge 2023 bis 2025 sinkt der Anteil um fünf Prozentpunkte. Der Wert für das laufende Jahr 2026 ist dagegen mit Vorsicht zu lesen: Bekanntmachungen laufen den Verfahren nach, ein Jahreswert wird erst nach Abschluss des Jahrgangs mit den vorangegangenen vergleichbar.

Im Länderschnitt über den gesamten auswertbaren Zeitraum – 2018 bis 2026 – liegt Deutschland bei 24,4 % und damit auf dem achtniedrigsten Platz unter 31 erfassten Ländern:

LandAnteil
Griechenland53,6 %
Polen53,2 %
Österreich41,1 %
Deutschland24,4 %
Norwegen18,5 %
Finnland17,6 %
Schweiz13,0 %

Die Spannweite ist erheblich: In Griechenland und Polen geht mehr als jeder zweite Auftrag an einen einzigen Bieter, in der Schweiz nur jeder achte. Als Wettbewerbsranking sollte man die Reihenfolge dennoch nicht lesen, denn die Datenbasis ist von Land zu Land unterschiedlich: Der Abdeckungshinweis führt neben TED für Österreich, Deutschland, Finnland und Norwegen jeweils eigene nationale Datensätze auf, für alle übrigen Länder nur TED. Was diese vier nationalen Datensätze im Einzelnen enthalten und ob sie Verfahren erfassen, die nicht ohnehin auf TED erscheinen, weist der Datenraum nicht aus.

Was sich nicht bewegt hat: die Länderabdeckung

Angebunden sind unverändert Österreich, Deutschland, Finnland und Norwegen. Das waren bereits zum Start im September 2024 die vier Quellen neben TED – seither ist kein weiteres Land hinzugekommen.

In Vorbereitung ist der Ausbau durchaus. Über das Instrument für technische Unterstützung (Technical Support Instrument, TSI) fördert die Kommission in den Jahrgängen 2025 und 2026 zwei länderübergreifende Projekte, die acht weitere Staaten bei der Anbindung begleiten: Belgien, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Portugal, die Slowakei und Zypern. Ein Nachfolgeprojekt für den Jahrgang 2027 ist ausgeschrieben.

Ein Datum, zu dem diese acht Länder im Datenraum auswertbar sein sollen, ist nicht veröffentlicht. Damit bleibt der ursprüngliche Zweck – die Daten unterhalb der EU-Schwellenwerte zu heben, wo der Kommission zufolge vier Fünftel der Verfahren liegen – bis auf Weiteres überwiegend unerfüllt. Für alle Länder außer den vier angebundenen wertet der PPDS damit weiterhin allein das aus, was auf TED veröffentlicht wird.

Nächste Schritte

Die Kommission lädt für den 1. Dezember 2026 nach Brüssel zum „PPDS Day 2026 – Open for Business“. Ob dort neu angebundene Länder vorgestellt werden, ist offen.

Quelle und Links

Titelbild: Nastya Dulhiier auf Unsplash