
Die Public Buyers Community der EU hat einen Leitfaden für öffentliche Auftraggeber herausgebracht. Er soll dabei unterstützen, Menschenrechtsrisiken in IKT-Lieferketten systematisch zu identifizieren und zu mindern.
Der Leitfaden „Promoting Due Diligence through ICT Procurement“ richtet sich an öffentliche Einkäufer unterschiedlicher Erfahrungsstufen und bietet praktische Handlungsempfehlungen für Organisationen, die entweder gerade erst beginnen oder ihre Ansätze zur Menschenrechts-Due-Diligence stärken möchten.
Komplexe IKT-Lieferketten bergen Menschenrechtsrisiken
Lieferketten der Informations- und Kommunikationstechnologie umfassen hunderte von Unternehmen aus Dutzenden von Ländern. In diesen Ketten bestehen vielfältige Risiken für Menschenrechts- und Arbeitsrechtsverletzungen. Zu ihnen zählt die Belastung mit gefährlichen Chemikalien ebenso, wie Zwangsarbeit, Gewerkschaftsfeindlichkeit oder die Kontaminierung der Umwelt.
Der Leitfaden identifiziert hierfür sieben zentrale Risikobereiche: Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Diskriminierung, Vereinigungsfreiheit, unzureichende Löhne, Arbeitsschutz sowie Gemeinschaftsrechte und Umweltauswirkungen. Diese Risiken treten in verschiedenen Stufen der Lieferkette auf – von der Rohstoffgewinnung über die Komponentenherstellung bis zur Endmontage.
Vierstufiges Handlungsframework für öffentliche Einkäufer
Für die Integration von Menschenrechten in die öffentliche Beschaffung haben die Verfasser des Leitfadens einen vierstufigen Handlungsrahmen entwickelt:
- Zunächst sollen Einkäufer ein grundlegendes Verständnis der mit dem zu beschaffenden Produkt verbundenen Menschenrechtsrisiken entwickeln.
- Im zweiten Schritt sollten sie bewerten, inwieweit potentielle Lieferanten bereit sind, Menschenrechtsrisiken anzugehen.
- Der dritte Schritt umfasst die Integration von Kriterien und Klauseln in Ausschreibungen und Verträge.
- Der vierte und letzte Schritt beinhaltet das eigentliche Vertragsmanagement.
Abhängig von der Marktreife werden drei Szenarien unterschieden: Bei geringer Marktreife stehen Risikobewertungen und grundlegende Verpflichtungen im Vordergrund. Bei mittlerer Reife geht es um konkrete Maßnahmen und Lieferkettentransparenz. Bei hoher Marktreife werden systematische Due-Diligence-Prozesse erwartet.
Zertifizierte Produkte als Ausgangspunkt empfohlen
Unabhängig von der Marktreife empfiehlt der Leitfaden den Einkauf TCO-zertifizierter Produkte als guten Ausgangspunkt. Total Cost of Ownership (TCO) habe in den letzten Jahren schrittweise soziale Anforderungen integriert. EPEAT, ein anderes großes IKT-Zertifizierungssystem, habe seine Kriterien ebenfalls überarbeitet, um Kriterien für Menschenrechts-Due-Diligence einzubeziehen. Diese neuen Kriterien treten im November 2025 in Kraft.
Der Leitfaden bewertet verschiedene Marktinstrumente wie Lieferantenkodizes, Brancheninitiativen und Produktzertifizierungen. TCO Certified und die Responsible Business Alliance erweisen sich den Autoren zufolge als robuste Ansätze für Due-Diligence-Anforderungen.
Vertragsmanagement bleibt größte Herausforderung
Ohne robustes Vertragsmanagement sind vertragliche Anforderungen nicht mehr als Papierverpflichtungen, stellt der Leitfaden fest. Öffentliche Einkäufer würden einhellig darin übereinstimmen, dass das Vertragsmanagement der bei weitem schwierigste Aspekt der öffentlichen Beschaffung ist.
Der Leitfaden identifiziert sieben Lehren für effektives Vertragsmanagement: die Definition klarer Leistungskennzahlen, frühzeitige Markteinbindung, Verbindung von Beschaffung und Vertragsmanagement, Einbeziehung von Wiederverkäufern, Zusammenarbeit mit anderen öffentlichen Einkäufern sowie den strategischen Umgang mit Informationen.
Bezug des Leitfadens
Der Leitfaden Promoting Due Diligence through ICT Procurement kann hier heruntergeladen werden. Er wurde von Boris Verbrugge von der Katholieke Universiteit Leuven im Rahmen einer Community of Practice zu Transparenz und Due Diligence entwickelt. Das Projekt wurde vom belgischen Federal Institute for Sustainable Development, dem niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Wassermanagement sowie dem Circular and Fair ICT Pact im Rahmen der Bublic Buyers Community der Europäischen Kommission gefördert.
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Titelbild: Rob van der Meijden – Pixabay


