Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung (DGIV) fordert in einem Positionspapier, Ausschreibungs- und Vergabeverfahren im Gesundheitswesen konsequent auf ökologische Nachhaltigkeit auszurichten.

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In einem Positionspapier zeigt die Gesellschaft auf, dass das Gesundheitswesen rund sechs Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland verursacht. Etwa 80 Prozent davon entfielen auf vorgelagerte Lieferketten, insbesondere durch Produktion, Transport und Entsorgung medizinischer Güter. Der Einkauf von medizinischem Material sei daher für die ökologische Gesamtbilanz des Gesundheitswesens besonders wichtig.

Die AG Nachhaltigkeit der DGIV schlägt daher eine Vergabepraxis vor, die Umweltwirkungen systematisch gewichtet. Kriterien wie die CO2-Bilanz, Ressourcenschonung und Kreislauffähigkeit sollen künftig ebenso in die Bewertung einfließen wie Qualität und Preis.

Drei Zieldimensionen für nachhaltige Ausschreibungen

Das Positionspapier definiert drei übergeordnete Zieldimensionen für ökologisch nachhaltige Ausschreibungen: Netto-Null-Emissionen, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. Unter diesen Zielen können produkt- und ausschreibungsspezifische Kriterien definiert werden.

Für das Ziel der Netto-Null-Emissionen sollen die Höhe der absoluten Treibhausgas-Emissionen des Produktes, Transportwege und der Produktionsstandort als anreizbare Kriterien dienen. Bei der Ressourcenschonung stehen Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit sowie ziel- und indikationsgerechter Einsatz im Fokus. Die Kreislaufwirtschaft wird durch Kriterien wie Recyclinganteil, Höhe von Ewigkeitschemikalien und Entsorgungsmanagement bewertet.

Strukturelle Änderungen erforderlich

Die DGIV betont, dass ein nachhaltiger Ausschreibungsmechanismus die Mitwirkung aller relevanten Akteure erfordert. Das Wirtschaftlichkeitsgebot im SGB V sollte um ein Nachhaltigkeitsgebot ergänzt werden. Zudem müsse die Medizintechnik stärker in den Fokus des Sozialrechts rücken, da auch bei ihr 70 bis 80 Prozent der CO2-Emissionen auf die Lieferketten zurückzuführen sind.

Bei der Generikaregulation fordert die Gesellschaft weniger Regelungsdichte, damit nachhaltige Produkte nicht schlechter gestellt werden als nicht-nachhaltige. Für nachhaltige Ausschreibungen benötigen die Krankenkassen finanzielle Spielräume, die nicht allein von Beitragszahlern getragen werden könnten.

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Anreizmechanismen und internationale Perspektive

Ergänzend empfiehlt das Papier Anreizmechanismen wie Bonus-Malus-Regelungen und Zuschlagssysteme, um ökologische Investitionen gezielt zu fördern. Denkbar sei, nachhaltige Projekte aus dem Klima- und Transformationsfonds zu finanzieren oder den Krankenkassen mehr Möglichkeiten zu geben, die eigene Vertrags- und Leistungsstruktur nachhaltiger auszurichten.

Das entwickelte Rahmenwerk für nachhaltige Ausschreibungen soll nicht auf den deutschen Markt beschränkt bleiben. Es sei von zentraler Bedeutung, dass es im Einklang mit internationalen Standards entwickelt wird und Potenziale für eine Skalierung auf europäischer Ebene bietet.

Quelle und Links

Titelbild: Ronalds – Pixabay