Eine neue Forschungsarbeit zeigt erstmals quantitativ auf, wie sich öffentliche Vergabeanforderungen und freiwillige Standards einzeln und gemeinsam auf umweltfreundliche Produktinnovationen auswirken. Das Ergebnis: Ihre Kombination kann die Wirksamkeit der öffentlichen Beschaffung bei radikaleren Innovationen begrenzen.

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Forscher des ZEW Mannheim und der Universität Utrecht haben die Wechselwirkungen zwischen öffentlichen Vergabeanforderungen und freiwilligen Standards bei der Förderung von Umweltinnovationen untersucht. Die Studie basiert auf Daten von 5.127 deutschen Unternehmen aus der Innovationserhebung 2021 und ist die erste quantitative Analyse dieser Art.

Die Ergebnisse zeigen, dass beide Instrumente einzeln betrachtet die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Unternehmen umweltfreundliche Produktinnovationen mit hoher Umweltwirkung einführen. Öffentliche Vergabeanforderungen unterstützen besonders Innovationen mit großen Umweltverbesserungen, während freiwillige Standards sowohl bei hoher als auch bei geringer Umweltwirkung positiv wirken.

Negative Wechselwirkung bei gemeinsamer Anwendung

Problematisch wird es bei der gemeinsamen Anwendung beider Instrumente. Die Untersuchung belegt eine negative Wechselwirkung zwischen öffentlichen Vergabeanforderungen und freiwilligen Standards bei umweltfreundlichen Produktinnovationen mit hoher Umweltwirkung. Diese negative Wechselwirkung entsteht laut der Studie, weil Standards oft als starre Mindestanforderungen verwendet werden statt als Orientierungshilfen, die auch Übererfüllung belohnen.

Die Forscher unterscheiden zwischen zwei Anwendungsarten von freiwilligen Standards in der öffentlichen Beschaffung: der flexiblen Benchmark-Nutzung, die Leistungen über den Standard hinaus belohnt, und der starren Schwellenwert-Nutzung, die keine zusätzlichen Anreize für bessere Umweltleistungen schafft. Letztere kann den Lösungsraum vorzeitig einschränken und radikalere Innovationen behindern.

Unterschiedliche Wirkung je nach Innovationsstadium

Die Analyse zeigt auch unterschiedliche Effekte je nach Reifegrad der Innovation. Bei umweltfreundlichen Produktinnovationen mit geringer Umweltwirkung, die typischerweise späteren Innovationsstadien entsprechen, bleiben öffentliche Vergabeanforderungen ohne statistisch signifikante Wirkung. Freiwillige Standards zeigen hingegen positive Effekte, was ihre Eignung für inkrementelle Verbesserungen unterstreicht.

Größere und ältere Unternehmen profitieren stärker von der Kombination beider Instrumente, während jüngere und kleinere Firmen hauptsächlich von freiwilligen Standards begünstigt werden. In technologieintensiven Branchen sind die Effekte besonders ausgeprägt.

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Empfehlungen für die Praxis

Die Studienergebnisse haben konkrete Implikationen für öffentliche Auftraggeber und Politiker. Öffentliche Einkäufer sollten die Anwendung von Standards an den Reifegrad der angestrebten Innovation anpassen. In frühen Innovationsstadien empfiehlt sich der Verzicht auf starre Standards zugunsten leistungsbasierter Kriterien.

Für die Politik ergeben sich Hinweise auf die Notwendigkeit einer besseren Koordination und zeitlichen Abfolge von Beschaffung und Standardisierung. Die gleichzeitige Anwendung beider Instrumente kann bei Innovationen mit hoher Umweltwirkung kontraproduktiv sein, während sie bei inkrementellen Verbesserungen durchaus sinnvoll erscheint.

Die Forscher betonen, dass freiwillige Standards nicht grundsätzlich ineffektiv sind, sondern strategisch und situationsangepasst eingesetzt werden müssen, um ihr volles Potenzial zur Förderung von Umweltinnovationen zu entfalten.

Quelle und Links

Das ZEW Discussion Paper The Effects of Public Procurement Requirements and Voluntary Standards on Environmental Product Innovation kann online hier bezogen werden.

Titelbild: BsWei – iStock