
Bei einer nachhaltigen, also auch umweltverträglichen Beschaffung sollen nicht nur die Beschaffungskosten, sondern sämtliche über die Lebensdauer eines Produktes entstehenden Kosten in den Blick genommen werden.
Bei der Betrachtung dieser sogenannten Lebenszykluskosten erweisen sich umweltfreundliche Produkte in vielen Fällen – selbst bei höheren Anschaffungskosten – als die wirtschaftlichste Variante.
Umgekehrt können preiswerte Produkte im Vergleich zu teureren Alternativen zum Teil höhere Folgekosten verursachen. Sie können sich aus dem Verbrauch an Hilfsstoffen oder Energie während der Nutzungsphase, den Installations- und Wartungskosten sowie den Kosten am Ende der Nutzungsdauer ergeben.
Rechtliche Grundlagen und Berechnungsaspekte
Eine Lebenszykluskostenrechnung bezieht aber auch die Kosten mit ein, die im Rahmen der Herstellung oder durch externe Effekte der Umweltbelastung entstehen und mit der ausgeschriebenen Leistung während des Lebenszyklus in Verbindung stehen.
Die Berücksichtigung der Lebenszykluskosten im Vergabeverfahren ist vergaberechtlich zulässig und betrifft alle Vergaben ober- und unterhalb der EU-Schwellenwerte im Rahmen der Angebotswertung. (§ 59 VgV, § 43 Abs. 4 UVgO, § 16 Abs. 8 VOL/A).
Verfügbare Berechnungstools und deren Anwendungsbereiche
Das Öko-Institut e.V. hat im Auftrag des Umweltbundesamtes ein Excel-Tool entwickelt, das Vergabepraktiker bei der Berechnung der Lebenszykluskosten verschiedener Beschaffungsalternativen unterstützt.
Das Tool lässt sich für Produkte aus dem Bereich Computer, Multifunktionsgeräte, Bewässerungsanlagen, sowie prinzipiell auch für Reinigungsdienstleistungen anwenden, wenn hierfür entsprechende spezifische Vergleichsdaten vorliegen. Darüber hinaus können auch Produkte aus anderen Produktgruppen berechnet werden, hier können sich allerdings Einschränkungen ergeben.
Das Tool berücksichtigt die folgenden wesentliche Kostenkategorien:
- Anschaffungskosten (z.B. für den Kauf und die Inbetriebnahme)
- Folgekosten (z.B. Versicherung, Wartung etc.)
- Betriebskosten (z.B. Kosten für Strom, Wasser oder sonstige Betriebsmittel)
- Personalkosten und
- Entsorgungskosten
Produktgruppenspezifisches Excel-Tool
Darüber hinaus bietet das Umweltbundesamt auch ein produktgruppenspezifisches Excel-Tool an, das im Auftrag des Amtes vom Öko-Institut e.V. erstellt und von der Berliner Energieagentur weiterentwickelt wurde. Es unterstützt bei der Berechnung der Lebenszykluskosten von
- Computern,
- Multifunktionsgeräten,
- Monitoren,
- Rechenzentren,
- Bodenbelägen,
- Kühlschränken,
- Geschirrspülmaschinen und
- Gartengeräten.
Prognose der verursachten Treibhausgasemissionen während des gesamten Lebenszyklus
Im Juni 2025 hat das Umweltbundesamt zudem ein neues LCC-CO₂-Tool veröffentlicht. Es schließt eine Lücke bei der Anforderung in § 2 Abs. 1 AVV Klima, wonach – soweit mit vertretbarem Aufwand möglich – in die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung nach § 7 Absatz 2 BHO eine Prognose der verursachten Treibhausgasemissionen während des gesamten Lebenszyklus bei den Prüf- und Berücksichtigungspflichten vor Einleitung des Vergabeverfahrens einzubeziehen ist.
Diese Lücke wird von dem neuen Tool geschlossen. Mithilfe eines anzusetzenden CO₂-Preises können die CO₂-Kosten als Teil der gesamten Lebenszykluskosten ermittelt werden, wodurch verstärkt auf umweltfreundliche Produkte Rücksicht genommen werden kann.
Die Tools sind auf den Seiten des Umweltbundesamtes zu finden. Dort sind auch Berechnungshilfen der Berliner Energieagentur für Fahrzeuge, Haushaltsgeräte und IT sowie ein Lebenszykluskosten-Tool-Picker des des Kompetenzzentrums innovative Beschaffung, der bei der bedarfsgerechten Auswahl eines Lebenszykluskostenberechnungs-Tools unterstützt.
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Titelbild: Teuku Fadhil – Unsplash


