Umweltbundesamt empfiehlt längere Nutzungsdauer von PCs

Das Umweltbundesamt empfiehlt, Computer in der Verwaltung mindestens sechs Jahre lang zu nutzen. Dies entlaste die Umwelt und senke die Kosten. Hierneben wurde durch das Amt ein neues Excel-Tool zur Verfügung gestellt, das Beschaffern helfen soll, Lebenszykluskosten und Treibhausgasemissionen von Computer-Arbeitsplätzen zu berechnen und Szenarien miteinander zu vergleichen.

Nachhaltige Beschaffung und die differenzierte Berücksichtigung von Umweltkriterien gehören heute sicher zu den größeren Herausforderungen für Vergabestellen. Häufig auch, weil angesichts der Vielzahl vergaberechtlicher Neuerungen und sonstiger Anforderungen schlicht die Zeit und das Personal fehlen, sich vertieft mit Nachhaltigkeitsaspekten unter der Maßgabe vergaberechtlicher Vorgaben zu befassen. Informationsangebote und Tools wie die des Umweltbundesamtes, der Kompetenzstellen von Bund und Ländern für nachhaltige Beschaffung oder dem Kompass Nachhaltigkeit der GIZ sollen öffentlichen Auftraggebern dabei helfen, verstärkt Aspekte der Nachhaltigkeit in förmlichen Verfahren zu berücksichtigen.

Längere Nutzungsdauer dank moderner Software möglich

Dass eine nachhaltige Beschaffung auch deutlich wirtschaftlicher sein kann, zeigt die jüngste Empfehlung des Umweltbundesamtes, Arbeitsplatz-PCs deutlich länger zu nutzen. Doch sind sechs Jahre alte Computer angesichts des enormen Digitalisierungsdrucks der öffentlichen Verwaltung überhaupt sinnvoll?

Die Antwort lautet ja, wenn die eingesetzten Softwarelösungen stimmen.

Bis heute werden die meisten Verwaltungsfachverfahren in Behörden zum Teil noch auf dem Rechner der Nutzer als dort installierte Anwendungen betrieben. Solche meist Windows-basierte (sog. Thick-Client-Anwendungen) benötigen entsprechend viele Hardware-Ressourcen, häufig aktuelle Betriebssysteme und mehr.

Demgegenüber sollten moderne Verwaltungsfachverfahren vollständig webbasiert sein. Dabei ist unter webbasiert nicht zwingend zu verstehen, dass die Anwendung im Internet zur Verfügung steht, vielmehr kann die Anwendung auch im geschützten Intranet einer Behörde betrieben werden. Webbasiert in diesem Sinne meint, dass keine lokale Installation auf den Arbeitsplatzrechnern mehr erforderlich ist, sondern die Anwendung vollständig über den Webbrowser bedient werden kann. Damit sind weder besondere Hardware-Ressourcen auf den lokalen PCs selbst, noch das aktuellste Betriebssystem erforderlich. Einzig ein (möglichst) aktueller Internet-Browser sollte installiert sein.

Bei der Auswahl neuer Software und insbesondere Verwaltungsfachverfahren sollten Fachbereiche und Vergabestellen auch aus diesem Grund darauf achten, dass echte webbasierte Lösungen zur Verfügung gestellt werden. So werden auch deutlich längere Nutzungsdauern der PCs möglich, ohne dass dies der weiteren Digitalisierung der Verwaltung entgegensteht.

Einzig mit Blick auf die Monitore wird man die Empfehlung hinterfragen können. Gerade für Mitarbeiter, die sechs Stunden und mehr am PC arbeiten, sollten entsprechend hochwertige Bildschirme bereitgestellt werden. Angesichts der dynamischen Entwicklung im Bereich der Monitore sollten – im Hinblick auf die Ergonomie und letztlich auch auf den Arbeitsschutz – Neubeschaffungen sicher auch vor Ablauf von sechs Jahren geprüft werden.

Neues Excel-Tool des Umweltbundesamtes

Steht doch die Neubeschaffung an, unterstützt der neue, als Excel-Tool entwickelte Öko-Vergleichsrechner des Umweltbundesamtes die Entscheidung. Mit ihm können die Auswirkungen verschiedener Ausstattungsvarianten und längerer oder kürzerer Nutzungsdauern von Computern am Arbeitsplatz miteinander verglichen werden.

Das Programm berechnet Treibhausgas-Emissionen für einen Betrachtungszeitraum von bis zu zwölf Jahren inklusive Herstellung der (gegebenenfalls mehrfach) beschafften Hardware und des Energiebedarfs in der Nutzung sowie die Kosten für Hardware, Strom und die Personalkosten für Beschaffung und Rollout.

Die dahinter liegende Berechnungsmethode ist ganzheitlich ausgerichtet: Für die Treibhausgasemissionen berücksichtigt sie alle Lebensphasen der Geräte: Von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung und den Transport bis zur Nutzung und Entsorgung werden alle Emissionen in CO2-Äquivalenten einkalkuliert. Unter die Lebenszykluskosten fallen dabei Anschaffungskosten, Stromkosten in der Nutzungsphase, Personalkosten sowie Sach- und Gemeinkosten.

Weitere Informationen

Den Öko-Vergleichsrechner können Sie als Excel-Tool hier herunterladen.

Weitere Informationen zur Wirtschaftlichkeit und zu den Nachhaltigkeitsaspekten bei einer längeren Nutzungsdauer von Computer-Arbeitsplätzen finden Sie in einer Broschüre auf den Internet-Seiten des Umweltbundesamtes unter diesem Link.

Bildquelle: Marco Rullkötter – Fotolia.com

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