Rückblick: Erster XVergabe-Tag des Beschaffungsamtes (BMI)

XVergabeXVergabe: aktueller Stand und neue Herausforderungen

In unseren früheren Blog-Beiträgen haben wir uns bereits mit dem Thema XVergabe befasst und versucht, die relevanten Entwicklungen, wie Schnittstellen-Standards, Anforderungen aus Sicht der Spitzverbände sowie die Genese von ersten Prototypen und Anwendungen, auf dem Markt zu beleuchten. Mit diesem Rückblick zum ersten XVergabe-Tag des Beschaffungsamtes des Bundesministerium des Innern am 19.09. in Bonn  runden wir aus Sicht der cosinex unsere Berichte zur Entwicklung ab.

XVergabe in aller Kürze

Das Projekt XVergabe unter Federführung des Beschaffungsamtes des Bundesministerium des Innern (BMI), des Finanzministerium Nordrhein-Westfalen (i.V. für das Land Nordrhein-Westfalen) und des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (kurz BME) hat als Ziel, die Schaffung von E-Vergabeplattform übergreifenden Daten- und Austauschprozessstandards, so dass die verschiedenen Lösungen von Vergabestellen und Bietern künftig untereinander kompatibel sind.
Neben dem ehemaligen Arbeitspaket 2, einer interoperablen Schnittstelle zur Abgabe elektronischer Angebote, sollte in einem „Proof of Concept“ (Arbeitspaket 3) geklärt werden, welche technischen Möglichkeiten sich im Hinblick auf einen einheitlichen technischen Standard zur einheitlichen Abbildung elektronischer Formulare ergeben.
Vor diesem Hintergrund fand am 19. September in Bonn der erste XVergabe-Tag der Projektgruppe im Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern statt. Die Veranstaltung stand unter dem Motto:  „E-Vergabe endlich kinderleicht! – Die neuen Möglichkeiten der XVergabe“ und hatte das Ziel, den Teilnehmern aus Verwaltung und Wirtschaft einen Überblick über den aktuellen Stand des Projektes zu geben.
Im Rahmen des XVergabe-Tages sollten erste Ansätze für XVergabe-konforme Lösungen der Anbieter demonstriert und im Anschluss innerhalb einer Praktikrunde diskutiert werden. Ergänzt wurde das Programm durch einen aktuellen Sachstand zur anstehenden Vergaberechtsnovelle und einem sehr praxisnahen Vortrag zu den Anforderungen mittelständischer Unternehmen an die E-Vergabe.
„Es ist schade, dass der Fokus vieler Beiträge an diesem Tag so stark auf der E-Vergabeplattform des Beschaffungsamtes des Bundesinnenministeriums lag“, findet Carsten Klipstein, Geschäftsführer der cosinex und ergänzt: „Wir müssen im Rahmen der Entwicklung aufpassen, dass die spezifischen Anforderungen und Interessen der Bundesländer und Kommunen, die auch eindeutig den größeren Teil des Beschaffungsvolumens und Öffentlicher Aufträge in Deutschland ausmachen, ausreichend berücksichtigt werden.“

Notwendigkeit der XVergabe

Ungeachtet einer Bewertung der deutlich unterschiedlichen Ansätze, besteht an dem Erfordernis für einen Schnittstellenstandard jedenfalls im Hinblick auf die elektronische Angebotsabgabe Einigkeit.
So sind bei den rund 30.000 Beschaffungsstellen in Deutschland laut Behörden Spiegel heute bereits geschätzt 80 unterschiedliche elektronische Vergabeplattformen im Einsatz, die untereinander nicht interoperabel arbeiten. Zwar steht dahinter nur ein halbes Dutzend Softwareanbieter, jedoch ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten und deren Engagement bei einem gemeinsamen Projekt an dieser Stelle bemerkenswert, da diese Art der Zusammenwirkens in der privaten Wirtschaft zwischen den konkurrierenden Unternehmen eher unüblich ist. Die Kommunikation zwischen den Lösungsanbietern wurde durch die Teilnehmer als sehr offen, objektiv und ehrlich bewertet.
Dennoch wurde auch klar, dass der Standard sowohl organisatorisch wie auch technologisch im Hinblick auf eine Flächendeckung noch am Anfang steht und trotz voller Zustimmung und Unterstützung für Vergabestellen wie auch für die Hersteller der E-Vergabelösungen noch eine Herausforderung darstellt.

Wird XVergabe zum EU-Vergabestandard?

Mittlerweile stößt das Projekt auch bei der EU selbst auf Interesse, wie Ion Tudor-Trestieni von der EU-Kommission in seinem Vortrag deutlich machte. Auch in der EU sei die Vergabelandschaft ähnlich heterogen wie in Deutschland. Laut Schätzung der Europäischen Kommission gibt es EU-weit über 300 verschiedene Bieteranwendungen, die ebenfalls untereinander nicht interoperabel sind. Insofern kann das Projekt XVergabe in Deutschland gleichermaßen als mögliche Blaupause und Testlauf für die EU gesehen werden. So plant nach Angaben von Projektleiter Marc-Christopher Schmidt das Amt für Veröffentlichungen der EU die XVergabe bereits 2014 einzuführen.
Hiervon träumen E-Government-Macher in Deutschland schon seit den Anfangszeiten der elektronischen Signatur – dass deutsche Anwendungen auch EU-weit Schule machen. Mit der XVergabe könnte das jetzt Wirklichkeit werden. Jedoch würden damit auch neue Herausforderungen auf die Verwaltungen zukommen.
Daher soll wohl die Koordinierungsstelle für IT-Standards (kurz KoSIT) eingebunden werden. Diese koordiniert die Aufgabe, die Entwicklung und den Betrieb von IT-Standards für den Datenaustausch in der öffentlichen Verwaltung in Deutschland.

Links und weitere Informationen

Die Beiträge der cosinex  zur XVergabe finden Sie hier.

Beitrag empfehlen

Verwandte Beiträge

  • XVergabeXVergabe auch von BITKOM empfohlenMit dem "Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM)" hat ein weiterer Spitzenverband seine Empfehlung für den Schnittstellen-Standard XVergabe […]
  • XVergabeEmpfehlung der XVergabe auch durch Spitzenverbändecosinex ist in den Arbeitsgruppen des XVergabe-Projekts bereits seit Beginn engagiert. Über Genese und Status quo dieses Projekts zur Erarbeitung eines Schnittstellen-Standards für die […]
  • XVergabeXVergabe: Fortschritte auch bei VergabeunterlagenZiel der XVergabe ist die Definition von Schnittstellen-Standards, um die        Interoperabilität zwischen E-Vergabesystemen in Deutschland zu erhöhen. Hintergrund war und ist einerseits […]
Besuchen Sie uns auch auf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Formularschutz